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Bisonhaltung in der Landwirtschaft


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Rassebeschreibung:


Die Gattung Bison ist heute noch in zwei Arten und drei Unterarten vertreten. Abstammend vom Bison latifrons, beheimatet in Asien, gibt es das europäische Bison bonasus, das Wisent und den nordamerikanischen Bison mit zwei Unterarten, Waldbison (Bison bison athabascae) und den Steppen– oder Präriebison (B. b. bison), im Weiteren als Bison bezeichnet.

Bisonkühe erreichen ein Gewicht von 600 kg, Bullen sind mit 1.000 kg Lebendgewicht wesentlich größer. Die Tiere sind mit drei Jahren geschlechtsreif, wenn auch jüngere Tiere in menschlicher Obhut schon früher decken beziehungsweise austragen. Nach einer Tragzeit von neun Monaten werden  häufig im Mai die Kälber gesetzt, diese wiegen ca. 15 - 20 kg und haben ein arttypisches hellbraunes Jugendfell. Die Kälber werden mindestens sechs Monate gesäugt, nehmen allerdings auch schon sehr früh Gras auf. Die Milchleistung der Kühe geht nach sechs Monaten langsam zurück. Bisons können ein Alter von 30 Jahren erreichen.

Das Fleisch der Tiere ist etwas ganz besonderes, der sehr spezifische Geschmack kommt vom Fleisch selbst, nicht vom Fett. Bison schmeckt weder wie Wildbret noch wie Rindfleisch. Aber das Fleisch ist nicht nur eine Delikatesse, sondern gilt als sehr gesundes Lebensmittel. Der geringe Fett- und besonders Cholesteringehalt entsprechen dem Wunsch vieler Verbraucher.


Haltungsbedingungen:

Angepasst an die karge Kost ihres natürlichen Verbreitungsgebietes stellen Bisons nur wenige Ansprüche. Gutes Wiesenheu, möglichst erster Schnitt im Winter, Weidegang im Sommer; bei einer Extensivhaltung entspricht das den Bedürfnissen der Tiere. Selbstverständlich sollte ein vernünftiges Weidemanagement, Umtriebsweiden, erfolgen. Die Futtermenge beziehungsweise der Platzbedarf bei den Weideflächen ist abhängig von der Bodenqualität und der Zusammensetzung der Grassorten, eben auch vom Management. Es scheint allerdings, dass der Futterbedarf erheblich geringer ist als derer vergleichbarer Fleischrassen des Rindes. Die Zufütterung von Silagen oder gar Kraftfuttergaben können nicht empfohlen werden. Eine selenhaltige Salzlecke sollten ad lib angeboten werden, das heißt ständig zur Verfügung stehen.

Bisons haben ein starkes Laufbedürfnis, sie toben sich mindestens einmal pro Tag aus. Gerne angenommen werden Staubsuhlen, die sich die Tiere selber anlegen. Ansonsten sind sie extremen Bedingungen angepasst, schneereiche Winter mit bis zu minus 30 Grad Celsius wie auch Sommer mit über 30 Grad plus werden toleriert.

Für die Abnutzung der Hufe und auch dem ausgeprägten Drang der Tiere sich im Staub zu suhlen, empfiehlt sich einer größere Menge Füllsand im Gehege, der Sand reibt zwischen den Schalen, so dass diese quasi automatisch behandelt werden. Eine Hufpflege, wie bei Rindern möglich, ist beim Bison viel zu aufwendig und kann mit wenigen Haltungsmaßnahmen vermieden werden. Täglich aufgesuchte Stellen wie zum Beispiel die Tränke sollten einen Bereich mit sehr festem Boden haben.

Nicht unterschätzen sollte man den Wildcharakter im Verhalten der Tiere. Wenn auch Bisons eigentlich keinen natürlichen Beutegreifer zu fürchten haben und sie entsprechend wenig angriffslustig sind, kann es bei Unterschreitung der so genannten Angriffsdistanz zu einem heftigen Kontakt mit dem Tier kommen, dem wir Menschen uns besser nicht aussetzen. So ist aus Sicherheitsgründen eine stabile Einzäunung angesagt. Beim möglichen Betreten der Weide mit den Bisons zusammen sollte man dennoch den Tieren nicht zu nahe kommen. Auch durch den Zaun hindurch mögen Bisons nicht angefasst werden. Bisons lassen sich nur schwer treiben - dem vermeintlichen Feind wird die Waffe, der Kopf mit den Hörnern zugewandt. Das Locken mit Äpfeln oder das Öffnen einer frischen Weide ist erheblich effektiver. Für den Transport oder tierzüchterische Maßnahmen wie dem Einziehen von Ohrmarken müssen die Tiere chemisch oder mechanisch immobilisiert werden. Der Einsatz von Betäubungsmitteln ist teuer, setzt beim berechtigten Tierarzt eine große Erfahrung voraus und ist dennoch für das Tier nicht  ungefährlich – es kann zu Kreislaufkollapsen kommen. Ebenso kritisch ist die mechanische Immobilisation im Zwangsstand. Bisons mögen den direkten Kontakt zum Menschen nicht und ebenso wenig die Enge in einem Zwangsstand.

Die Einzäunung ist sicherlich abhängig von der absoluten Flächengröße, die den Bisons angeboten wird. Dennoch sollten Zäune gut sichtbar sein und durch einen innen angebrachten starken Elektrozaun gegen das Anrennen oder auch gegen Scheuerbedürfnisse geschützt werden. Werden Tiere aus anderen Einrichtungen übernommen, ist es sehr ratsam, diese schnell an den Elektrozaun zu gewöhnen. Da sowohl die Haare als auch die Hörner hervorragende Isolatoren darstellen, auf unter einem Zentimeter Haare kommt kein bisschen Strom durch, selbst bei den üblichen 7.500 Volt, sollten neue Tiere den Zaun mit der Nase oder den Lippen kennen lernen.  Eine Möhre oder ein Apfel an der Litze.


Verbreitung:

Es gibt landwirtschaftliche Bisonhaltungen auch im großen Rahmen in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Österreich, der Schweiz, Dänemark, Finnland, Tschechien, Bulgarien. Man kann wohl grob unter drei Betriebsformen unterscheiden, den Nebenerwerbsbetrieb mit einem Deckbullen und bis zu zehn Kühen, dem extensiven Vollerwerbsbetrieb mit ca. 100 Tieren in großflächiger Haltung ohne intensives Management der Tiere und dem Vollerwerbsbetrieb mit bis zu 300 Tieren  mit vollem Management der  Herde, der Vermarktung und eventuell der touristischen Ausschöpfung aller Ressourcen.

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